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LokalesWuppertalAktuelles
18. November 2008 - 17:03 Uhr
Eine Revolution in der Medizin: Made in Wuppertal
MBR hat ein Gerät entwickelt, mit dem man Blutwerte messen kann, ohne Blut zu entnehmen. Es könnte in Zukunft in jedem Rettungswagen mitfahren.
 
 

Wuppertal. Möglicherweise dauert es nur ein Jahr – dann sind jeder Rettungswagen und jedes Krankenhaus mit einem neuen, in Wuppertal erschaffenen Blutmessgerät ausgestattet. Am Mittwoch stellt MBR das unter strenger Geheimhaltung entworfene Gerät auf der Messe Medica in Düsseldorf vor. Der Clou: Die Messung erfolgt non-invasiv, schmerzfrei, ohne Blut zu entnehmen und schnell.

Das Einsatzgebiet? Riesig. Später sind sogar industrielle Anwendungen möglich. Zunächst geht es aber zum Beispiel um Frühgeburten. Weil die Organe noch nicht entwickelt sind, müssen die Ärzte oft Sauerstoff zuführen. Das schädigt aber die Schleimhäute. Bislang muss Blut abgenommen werden, um festzustellen, wie lange der Sauerstoff zugeführt wird. Künftig kann diese Entscheidung fallen, ohne ständig Blut abzunehmen.

Das Gerät „haemospect“ strahlt weißes Licht auf die Haut und in das darunter liegende Gewebe. Das reflektierte Licht wird dann in einem Spektrometer in seine Wellenlängen zerlegt. Die Daten erscheinen nach einem von MBR entwickelten Algorithmus bearbeitet auf dem Display. Der wirtschaftliche Vorteil: Die Anschaffung (zunächst wohl rund 6000 Euro netto) hat sich nach Angaben von Heinz Schmersal schnell amortisiert. Das Gerät mit einer Haltbarkeit von mehr als acht Jahren wird mit Akkus versorgt. Auch Dauermessungen sind möglich.

Forschungsenheit im Schmersal-Gebäude

Weiteres Beispiel: Eine Notfallversorgung im Rettungswagen. Nach der Messung kann Zeit gewonnen werden, weil die Helfer im Krankenhaus mit Werten bedient werden können. Nach Verbrennungen oder Bypass-Operationen kann das Gerät helfen, zu entscheiden, welche Substanzen der Patient braucht. Das Gerät selbst misst dabei das Hämoglobin quantitativ. Der rote Farbstoff transportiert den Sauerstoff. Und die Sauerstoffzufuhr ist lebenswichtig.

Seit 1991 arbeiten Holger Jungmann und Michael Schietzel an dem Projekt. Rund 18 Millionen an Forschungsgeldern sind bereits verbraucht. In Heinz Schmersal fanden sie einen Mitgesellschafter von MBR, der weitere eineinhalb Jahre lang rund vier Millionen Euro investierte und in dessen Firma das Produktions-Know-How und die in der Medizintechnik extreme Dokumentationsfähigkeit existieren.

In den Schmersal-Räumen soll zudem eine Forschungseinheit integriert werden, um weitere Anwendungen (zum Beispiel für Wasser) zu prüfen. Schietzel hatte übrigens viele Angebote: Er ist aber sicher, dass die großen Firmen die Erfindung versenkt hätten, um weiter ihre teurere Technik zu verkaufen.

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