Das erste Open Source Festival im Freibad Lörick ging fast baden: Wegen des starken Regens kamen nur 2000 Besucher.
Düsseldorf. Och nö. Das Open-Source-Festival beginnt im Auto. Es gießt wie aus Eimern, Aussteigen unmöglich. Der schlimmste anzunehmende Unfall für ein Open-Air-Fest ist eingetreten: Gewitter, dunkle Wolken bis zum Horizont und Regen ohne Ende. Bis in die frühen Abendstunden herrscht gähnende Leere vor den zwei Freilicht-Bühnen. Erst dann beruhigt sich der Himmel und das Programm des Open Source geht doch nicht ganz baden.
Trotzdem: Im Schlamm und in durchnässten Klamotten tanzt`s sich schlecht. "Dabei hätte alles so schön sein können", lautet das Lamento des Tages. Zurecht. Denn die Veranstalter hatten beim ersten Düsseldorfer Festival für elektronische Musik am Samstag so gut wie alles richtig gemacht. Nicht nur hatten sie mit dem idyllisch gelegenen Strandbad Lörick den perfekten Ort für ihr Festival ausfindig gemacht, sondern auch ein beachtliches Programm zusammengestellt.
Ganz abgesehen davon, dass es in Düsseldorf aller höchste Zeit war, für ein wenig Popkultur, ein wenig Coolness und ein wenig junge, alternative Musik. Leider wollten das aufgrund der widrigen Umstände nur etwa 2000 Besucher live erleben. Ein schwerer Schlag für die drei Düsseldorfer Veranstalter Philipp Maiburg, Christian Fleischer und Florian Pehle.
"Wir hatten vorher nicht das Geld, um eine GmbH zu gründen. Jetzt können wir nicht einfach Insolvenz anmelden, sondern müssen den Betrag nachlegen, den wir für die GmbH benötigt hätten", erklärt Fleischer. Doch von Resignation keine Spur: "Es war uns klar, dass es beim ersten Mal schwierig würde. Aber das Festival wird es auch nächstes Jahr geben. Es ist einfach die richtige Zeit und der richtige Ort dafür." Und das richtige Konzept.
Denn die Macher fassen den Begriff elektronische Musik weit. So bleibt neben Techno, House und Breakbeats, Raum für HipHop, Reggae oder Elektro-Pop. Beispiel kleine Bühne: Den sphärisch wabernden Bassläufen der Reggae-Dub-DJs von Rhythm & Sound mit MC Tikimann folgen irgendwo zwischen Soul, Funk und Jazz eingependelte HipHop-Beats mit TY. Der darf mittlerweile zur Nouvelle Vague des Sprechgesangs gezählt werden; und nicht umsonst zitiert er mit dem Stück "Down for the count" Talib Kweli.
Als danach die Phoneheads kompromisslosen Drum-and-Bass durch die Lautsprecher jagen, legen parallel dazu die Knöpfchendreher Mouse on Mars auf der großen Bühne knarzende und knirschende Sounds über die wummernden Rhythmen ihres Drummers. Abschließend kommt die Band Zoot Woman und zelebriert ihre kühl-designte und in schöne Melodien gepackte Melancholie, und auch sie trägt bei zum gelungenen Kontrastprogramm.
Einig sind sich alle Bands in der Verneinung des Mainstreams; alle sehen Musik als offenen Raum für Einflüsse, Verrücktheiten und Fantasien aller Art. Open Source eben.
21.08.06Von Alexander Esch


