Wuppertal. Pfadfinder – wer denkt da nicht sofort an die pfiffigen Neffen von Donald Duck, Tick, Trick und Track und ihr berühmtes Fähnlein Fieselschweif? Am heutigen 1. August wird das Pfadfinden hundert Jahre alt.
Es ist der Geburtstag einer Idee: Im Sommer 1907 probierte ein Engländer namens Lord Robert Baden-Powell ein neues pädagogisches Konzept aus und organisierte mit 20 Jungen aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Schichten ein Zeltlager. Jeder einzelne erhielt die Verantwortung für einen bestimmten Bereich, sollte den anderen zur Hand gehen und neue Erfahrungen durch „selber machen“ sammeln. Kurz und knackig heißt das Prinzip auf englisch: „Learning by doing.“
Was Tobias Kreuter (21) vor allem gelernt hat ist, dass einer alleine nicht viel erreichen kann. „Wir sind alle voneinander abhängig.“ Das hat der Leiter des Pfadfinderstamms vom Verband Christlicher Pfadfinderinnen und Pfadfinder (VCP) schnell gelernt. Als Elfjähriger ging er erstmals zu einem der Gruppentreffen. Heute, zehn Jahre später, ist er noch immer dabei und feiert, wie weitere 180 000 Pfadfinder in Deutschland, 100 Jahre Pfadfindertum. Weltweit gehören der Jugendorganisation 38 Millionen Scouts und Guides in 216 Ländern an.
Während des Sonnenaufgangs das Pfadfinderversprechen erneuern
Zum Geburtstag treffen sich größere Gruppen, eine auch auf der Insel Brownsea Island bei Poole in England, wo vor 100 Jahren das erste Zeltlager entstanden war. Wie damals werden die Pfadfinder während einer Sonnenaufgangszeremonie ihr Pfadfinderversprechen ablegen oder erneuern, das beim VCP jeder Stamm für sich formuliert. Baden-Powell’s Versprechen lautete: „Auf meine Ehre verspreche ich, mein Bestes zu tun. Meine Pflicht gegenüber Gott und meinem Land, anderen Menschen jederzeit zu helfen und das Pfadfindergesetz zu erfüllen.“
„Jedes Tag eine gute Tat“ gilt, um ein optimales Miteinander zu schaffen
„Jeden Tag eine gute Tat“ – das bekannte Motto der Pfadfinder basiert auf dem Wissen, dass man sich gegenseitig helfen muss, um ein optimales Miteinander zu schaffen. Tick, Trick und Track sind jedoch überzogen gezeichnete Figuren: „Wir machen keine Wettbewerbe, wer die besten Knoten binden kann oder Tiere bestimmt“, sagt Tobias Kreuter.
Auch die unzähligen Plaketten und Abzeichen – er schüttelt den Kopf – das sei vielleicht in Amerika so. In Wuppertal gehören diese Fähigkeiten zum Alltag, genauso wie Kochen und Gemüse schnibbeln. Pfadfinden ist halt eine pädagogische Idee hin zu mehr Selbstständigkeit.




