Wuppertal. Seit heute Morgen steht die Schwebebahn still. Das ganz große Chaos im Berufsverkehr gab es nicht, aber einige Verspätungen und Überraschungen. Nicht wenige Wuppertaler wussten am Morgen noch gar nicht, dass die Schwebebahn bis Ostern 2010 außer Betrieb genommen wurde.
Die Schwebebahn braucht maximal 15 Minuten von Oberbarmen bis zum Döppersberg. An diesem Morgen im Expressbus sind es 20. Schon beim Aussteigen fluchen die ersten Fahrgäste, die Anschlussbusse erwischen möchten. Am Döppersberg sind die Zugänge zum Schwebebahnhof mit Gittern verriegelt. Dahinter steht die schon oft gesehene Papptafel, die auf eine Betriebsstörung hinweist und dazu auffordert, den orangefarbenen Schildern zu den Ersatzbussen zu folgen. Von einer längeren Sperrrung ist darauf nicht die Rede. Die Einzelhändler in der Station dagegen rechnen mit dem Schlimmsten. "Hier ist nichts los, seit heute Morgen kommt kein Mensch mehr in den Bahnhof", sagt die Betreiberin des Kiosks. Der Inhaber des Schuhreparatur-Geschäfts ist sichtlich entsetzt: "Wir wurden nicht einmal darüber informiert, dass die Schwebebahn still gelegt wird."
Die Busse sind auch gegen 10 Uhr noch überwiegend voll. Mitarbeiter der Stadtwerke stehen am Busbahnhof und informieren die Fahrgäste. Die Busse fahren in den Stoßzeiten alle fünf Minuten. Klaus Schleger ist Schwebebahnfahrer, jetzt muss er wieder hinter dem Steuer eines Busses Platz nehmen. "Es ist schon schlimm für die Stadt, wenn die Schwebebahn nicht fährt, und natürlich auch für die auswärtigen Besucher", sagt er.
Am Hauptbahnhof Döppersberg kommt gegen 10.30 Uhr eine Monet-Reisegruppe aus Stuttgart an. Auf dem Weg durch den Tunnel gen Innenstadt unterhalten sich zwei Mitreisende über ihre letzte Reise nach Wuppertal und an die schöne Schwebebahnfahrt damals. Dass es diesmal damit nichts werden wird, wissen sie noch nicht.
Vor dem Schwebebahnhof Döppersberg hat jemand zwei weiße Zettel aufgehängt. "Schwebebahn still gelegt - heute letzte Fahrt" steht doppelt unterstrichen auf dem einen Zettel. Auf dem anderen hat jemand einen Elefanten aufgemalt und darunter geschrieben "Schwebebahngott Tuffi".
"Ach ja, damit kann man sich schon arrangieren. Ich bin ja Wuppertalerin, ich kenne mich hier aus", sagt eine Frau, die jeden Tag mit der Schwebebahn zur Arbeit fährt. Die meisten Fahrgäste nehmen den Umstieg auf die Ersatzbusse recht gelassen. Einige aber fragen sich, wie es erst nach dem ersten Schneefall werden soll.
Gegen 11.30 Uhr steigt eine Kindergartengruppe aus einem der Ersatzbusse. Die Erzieherin erklärt: "Eigentlich wollten wir heute mit der Schwebebahn zu unserem Ausflug fahren, weil einer unserer Jungs unbedingt Bus- oder Schwebebahnfahrer werden will." Der junge Mann hat sich an dem Morgen kurzfristig entschieden. "Bus fahren ist besser", sagt er. Warum? "Ist so."
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