Düsseldorf. Gegen den geplanten Kahlschlag bei den Gas-Laternen wächst der Widerstand: Zurzeit formiert sich ein Netzwerk engagierter Düsseldorfer, die sich für den Erhalt der historischen Beleuchtung einsetzen. Eine Petition ist in Vorbereitung. Demnach sollen alle Leuchten unter Denkmalschutz gestellt werden. Zurzeit gibt es noch fast 17000 Laternen in der Stadt, die mit Gas betrieben werden. Ein dichteres Netz gibt es nirgendwo in Deutschland.
Die Stadt plant, bis zu 12000 davon durch Strom-Laternen zu ersetzen, der Rest soll auf LED-Licht umgerüstet werden. Grund: Der Betrieb mit Strom sei billiger und umweltfreundlicher. Die Netzwerker argumentieren anders: Es handele sich bei den Leuchten um ein Wahrzeichen der Stadt – und um ein technisches Denkmal, das erhalten bleiben müsse. Die höhere Umweltbelastung könne – ähnlich wie beim Flugverkehr – durch den Kauf von Klimaschutz-Zertifikaten kompensiert werden.
Masterplan wird im November im Verkehrsausschuss beraten
Die Zeit drängt: Im November soll der „Masterplan – energieeffiziente Straßenbeleuchtung“ im Verkehrsausschuss beraten werden. Solange haben die Initiatoren Zeit, um für ihre Sache zu werben. Dazu gehören etwa Ex-Venetia Barbara Oxenfort oder Dirk Schaper, der Vorsitzende der Altstadtgemeinschaft. Er meint: „Die Gas-Laternen sind einfach ein Stück Düsseldorf.“ Sie ließen sich sogar für die Stadtwerbung nutzen.
Auch die Düsseldorfer Jonges wollen für die Gas-Laternen kämpfen. „Selbst wenn man nicht alle Lampen retten kann. In denkmalgeschützten Bereichen sollten sie unbedingt erhalten bleiben“, fordert Baas Gerd Welchering. Er denkt dabei vor allem an die Altstadt, Gerresheim und Kaiserswerth.
Das sieht Dieter Ziob, Vorsitzender des Vereins Kaiserpfalz und Vize-Bezirksvorsteher im Stadtnorden, ähnlich: „Ich kann mir die Kaiserpfalz und Kaiserswerth nicht ohne das romantische Gas-Licht vorstellen.“
Die Verwaltung beteuert zwar, dass LED-Technik die Atmosphäre des Gas-Lichtes gut imitieren könne, Ziob will das Thema dennoch rasch auf die Tagesordnung der Bezirksvertretung setzen. Auch in anderen Stadtteilen wird Beratungsbedarf angemeldet: Im Rathaus Eller fordert etwa CDU-Mann Christian Rütz ein Mitspracherecht der Stadtteilpolitiker.
Zu den Initiatoren des Netzwerkes gehört das Ehepaar Bärbel und Georg Schumacher. Ihnen geht es nicht nur um die alten Laternen-Typen, sondern um alle: „Auch die Leuchten aus den 50er-Jahren haben eine hohe gestalterische Qualität.“
Man stehe in Kontakt zu Kunstsammlerin Gabriele Henkel. Diese hatte die Pläne der Stadt vor kurzem in einem Gastbeitrag als „unglaublich“ kritisiert. Das Gas-Licht gebe der Stadt eine „optische Anmut“.
Was ist wichtiger: Klima- oder Denkmalschutz? Gute Argumente haben beide Seiten: Die Stadt will Kosten senken und das Klima schützen, die Freunde der Gas-Laternen ein Markenzeichen der Stadt erhalten. Ihr Verdienst ist schon jetzt, dass sie eine Debatte forcieren, die es bisher nicht gab. Denn die Verwaltung hat es fahrlässig... mehr





